Wie waren die letzten Stunden im Leben Jesus Christus?

Kurze Antwort

Jesus Christus wurde von römischen Soldaten gekreuzigt und starb an einem Freitag gegen 15:00 Uhr. Am Abend zuvor war er von der Tempelwache verhaftet worden. Noch in der Nacht und am Freitagmorgen wurde er von jüdischen und römischen Instanzen verhört, gefoltert und verurteilt. Jesus starb am 14. Tag des Monats Nisan oder einen Tag davor. Alle vier Evangelien in der Bibel berichten darüber relativ ausführlich.

Die ausführlichen Berichte der vier Evangelien stimmen weitgehend überein; nur in einigen Details weichen sie voneinander ab (was mehr für als gegen ihre Authentizität spricht). So erhalten wir ein anschauliches Bild von den letzten Tagen und Stunden im Leben von Jesus (Matthäus 2627; Markus 1415; Lukas 2223; Johannes 1819).

 

Die letzten Stunden in Jerusalem 

Dass Jesus nach Jerusalem kommen würde, hatte sich herumgesprochen. Als er in die Stadt einzog (vgl. Matthäus 21,1-11), jubelten ihm viele Menschen zu und begrüßten ihn als Messias-König (in den Kirchen wird am Palmsonntag daran erinnert). 

Das beunruhigte die Oberen der Juden genauso wie die römische Besatzungsmacht, denn das Passafest stand bevor. Zu diesem Wallfahrtsfest reisten vermutlich mehr als 100.000 Juden aus vielen Ländern nach Jerusalem (die Stadt hatte damals schätzungsweise 50.000 Einwohner). Da sollte es keinen Aufruhr geben; darum reiste auch der höchste römische Politiker, der Prokurator (Statthalter) Pontius Pilatus von Caesarea nach Jerusalem. 

In den Tagen nach seinem aufsehenerregenden Einzug wirkte Jesus in Jerusalem. Er predigte, beklagte Schriftgelehrte und Pharisäer (Matthäus 23,1-7) und erklärte seinen Freunden, wie die Zukunft des Landes und der Welt aussehen wird („Endzeitreden“, Matthäus 2425). Er übernachtete mit seinen Jüngern im nahe gelegenen Ort Betanien. 

 

Das letzte Passafest 

Das Passafest (Pessach) wird jedes Jahr am 14. Tag des jüdischen Frühlingsmonats Nisan gefeiert. Es erinnert an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten (vgl. 2. Mose 12,37-41 und 2. Mose 14,21-30). Es beginnt am Abend mit dem Passamahl. Drei Evangelien (Matthäus 26,26-30, Markus 14,17-25 und Lukas 22,14-20) berichten: Jesus feierte dieses Mahl mit seinen Jüngern. Die Speisen (u.a. das Passalamm) und die bei dem feierlichen Mahl gesprochenen Worte folgen bis heute einer alten Liturgie. Bei diesem letzten Passamahl geschah etwas, was die Jünger nie vergessen würden: Jesus fügte einige Sätze in die Liturgie ein. Nach dem Dankgebet über dem Brot sagte er: „Nehmt und esst! Das ist mein Leib“ (Matthäus 26,26). Und am Ende der Mahlfeier nahm er den Weinkelch und sagte:Dieser Becher steht für den neuen Bund, den Gott mit den Menschen schließt durch mein Blut, das für euch vergossen wird“ (Lukas 22,20). Jesus erklärte mit diesen Worten den Sinn seines nahen Todes und gab den Auftrag, das Mahl mit Brot und Wein in Erinnerung an ihn immer wieder zu feiern (Abendmahl). 

 

Der Verrat 

Noch während dieses feierlichen Mahls verließ Judas, einer der Jünger von Jesus, den Raum (Johannes 13,30). Jesus hatte es schon prophezeit: Judas hatte vor, den Oberen der Juden zu verraten, wo sie Jesus in der Nacht finden könnten (Markus 14,17). 

 

Die Fußwaschung 

Das Johannesevangelium berichtet: Nach der Mahlzeit machte Jesus etwas, was normalerweise der niedrigste Dienst war: Er wusch den Jüngern die Füße (Johannes 13,4-12). 

 

Der Weg zum Ölberg  

Nach dem Abendessen verließ Jesus mit seinen Jüngern das Haus in der Oberstadt (heute: Zionsberg) und ging mit ihnen hinunter an den Fuß des Ölbergs. Es war Nacht geworden und in den Häusern feierten die Menschen. Jesus hatte vor, mit seinen Jüngern in einem Ölbaum-Garten namens Getsemani (Ölkelter“) zu übernachten (Lukas 22,39-48; weiter durfte er sich nach den Passafest-Regeln nicht von Jerusalem entfernen). Schon beim Abendessen und dann auf dem Weg sprach Jesus über das, was jetzt kommen und was für die Zeit nach seiner Auferstehung wichtig sein würde. 

 

Im Garten Getsemani 

Im Garten angekommen, lagerten sich die Jünger; mit drei von ihnen ging Jesus noch weiter in den Garten hinein. Er bat die drei, nicht einzuschlafen (Matthäus 26,40-41). Er wusste, was jetzt geschehen würde, und er wusste auch, dass er jetzt noch leicht über den Ölberg in die Wüste fliehen könnte. Er fing an, im Gebet mit Gott zu reden, ja, mit ihm zu ringen, ob der Weg in den Tod unbedingt der Wille seines Vaters im Himmel wäre. Schließlich betete er: „Aber nicht, was ich will, soll geschehen, sondern was du willst“ (Lukas 22,42). Als er zu den Jüngern zurückkam, fand er sie schlafend. Er war enttäuscht, weckte sie – und sah schon von Weitem die Tempelwache mit Fackeln kommen, angeführt von Judas (Matthäus 26,47). 

 

Die Verhaftung und das erste Verhör 

Die Verhaftung ging schnell. Im Dunkel der Nacht war der Kuss des Judas das nötige Erkennungszeichen (Lukas 22,48). Petrus wehrte sich zunächst noch, wollte kämpfen, aber Jesus verbot es ihm (Lukas 22,51-54). Jesus wurde abgeführt und zum Palast des Hohepriesters gebracht. Noch in der Nacht wurde Jesus zum ersten Mal verhört und von den Wachleuten verspottet (Matthäus 26,67-68). Die meisten Jünger waren geflohen; doch Johannes und Petrus waren der Tempelwache gefolgt. Petrus hatte sogar den Mut, in den Innenhof des Palastes zu treten; dort konnte er sich am Feuer wärmen (Lukas 22,54-55). Allerdings wurde er dort auch als Freund von Jesus erkannt. Doch Petrus leugnete dreimal, zu Jesus zu gehören – dann krähte ein Hahn, genau wie es Jesus vorausgesagt hatte. 

 

Das Verhör vor dem Hohen Rat 

Früh am Freitagmorgen versammelte sich das oberste jüdische Gremium, der siebzigköpfige Rat (Sanhedrin), um Jesus zu verhören (Lukas 22,66-71). Ihm wurde vorgeworfen, den Tempel abreißen zu wollen. Nach jüdischem Recht mussten zwei Zeugen unabhängig voneinander dasselbe Vergehen schildern. Im Prozess um Jesus gelang das nicht. Dann setzte der Hohepriester alles auf eine Karte. Er fragte Jesus direkt: „Bist du der Messias, der Sohn Gottes?“ Jesus bejahte diese Frage (vgl. Matthäus 26,63-64). Darin sah der jüdische Rat eine Gotteslästerung – und Grund genug, Jesus zum Tode zu verurteilen (vgl. Matthäus 26,65-68). 

 

Das Todesurteil 

Das Recht, ein Todesurteil zu vollstrecken, hatte allerdings nur die römische Besatzungsmacht. Weil Pilatus gerade in Jerusalem weilte, nahm der jüdische Rat darauf besonders Rücksicht. Er übergab Jesus den Römern. Die Anklage formulierten er geschickt. Hätte er gesagt, Jesus behauptete, der Sohn Gottes zu sein, hätte das Pilatus absolut nicht interessiert. Darum drehte der Rat die Anklage ins Politische und sagte: Jesus hat behauptet, ein König zu sein (Markus 15,1-5). Dies musste Pilatus als Aufstand gegen den Kaiser auffassen. Doch er zögerte. Aus Jesus wurde er nicht richtig schlau. Das Johannesevangelium berichtet am ausführlichsten über den Dialog zwischen Pilatus und Jesus (Johannes 18,28-38). Pilatus versuchte einen Ausweg: Zum Passafest amnestierte er in der Regel einen Gefangenen (Matthäus 27,15-26). Er stellte die Juden vor die Wahl, ob ein verurteilter Mörder namens Barabbas oder Jesus freikommen sollte; damit stellte er Jesus schon auf die Stufe eines Verurteilten und beging so einen juristischen Fehler. Schließlich gab er dem Drängen der Juden nach und verurteilte Jesus zum Tod am Kreuz (Matthäus 27,26).  

 

Die Kreuzigung 

Die Vollstreckung des Todesurteils begann mit einer Geißelung. Schon diese war grausam: In die Lederriemen der Peitsche waren spitze Stacheln geflochten, die die Haut in Fetzen vom Körper zogen. Kein Wunder, dass Jesus den Holzbalken nicht mehr auf dem Rücken tragen konnte (Lukas 23,26); das Holz musste von jemand anderem getragen werden. 

Die Kreuzigung war eine äußerst grausame Todesstrafe. Nach römischem Recht durfte sie nur an „Barbaren“, nicht an römischen Bürgern vollstreckt werden. Zuerst wurden dem Verurteilten 2 cm dicke Nägel durch die Handwurzeln getrieben und diese auf das Querholz festgenagelt. Dann zog man das Querholz am senkrechten Balken nach oben und schlug lange Nägel durch die Fußknöchel ins Holz. Die Schmerzen waren sehr heftig. Das Blut floss in Strömen. Oft starben Verurteilte schon bei dieser Prozedur. Hing ein Körper länger am Kreuz, trat der Tod langsam durch Ersticken ein. Die Berichte der vier Evangelien (Matthäus 27,31-56; Markus 15,20-41; Lukas 23,32-49; Johannes 19,16-37) zeigen: Jesus hing etwa sechs Stunden lang am Kreuz (von 9:00 Uhr bis 15:00 Uhr). 

Höchst erstaunlich war, wie Jesus in diesem grenzenlosen Leiden reagierte: Er verfluchte die Soldaten, die ihn annagelten, nicht, sondern bat Gott für sie um Vergebung. Er brüllte nicht seine Wut hinaus, sondern sorgte sich um seine Mutter Maria. Einem der Verbrecher, die neben ihm gekreuzigt wurden, sagte er für denselben Tag noch das Paradies zu. Und er betete den Sterbepsalm eines frommen Juden, Psalm 22 (Matthäus 27,46). Er starb nicht gottverlassen, sondern gab sein Leben mit Psalm 31,6 ganz seinem Vater hin (Lukas 23,46).  

 

Der Tod: Gott war am Werk 

Als Jesus starb, geschahen große Zeichen: Die Sonne verfinsterte ihren Schein (vgl. Lukas 23,44-45); die Schöpfung trauerte mit. Im Jerusalemer Tempel zerriss der Vorhang, der vor dem Allerheiligsten hing, und zwar „von oben nach unten“ (Matthäus 27,51). Dies zeigte: Im Kreuzestod von Jesus war Gott am Werk. Der Weg zu ihm ist nun frei. Versöhnung gibt es nicht mehr im Tempel, sondern dort am Kreuz, an dem Jesus gestorben war.

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Geändert am: 11.02.2024

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