
Wie wirkt sich der Heilige Geist aus?
Kurze Antwort
Der Geist Gottes wirkt sich auf verschiedene Weise aus. Im Alten Testament insbesondere als Lebensprinzip und Befähigung mit Kraft, Weisheit, Kreativität und Prophetie. Im Neuen Testament wirkt er in Gaben wie Heilung, Prophetie und Zungenrede. Außerdem bewirkt er Frucht wie Liebe, Freude, Friede und Geduld. Die Wirkung des Geistes kann verhindert werden, wenn man ihm widersteht, ihn betrübt oder auslöscht. Doch wer sich um seine Frucht bemüht, wird Wachstum erleben.
Die Auswirkung des Heiligen Geistes im Alten Testament
Der Geist Gottes ist eine Kraft, die verschiedene Wirkungen hervorbringt, sowohl im einzelnen Menschen wie auch in der Welt insgesamt. Bereits im zweiten Vers der Bibel wird vom Geist Gottes gesprochen, der über dem Chaoswasser schwebte (1.Mose 1,2). Bevor das erste Schöpfungswort erklingt, war der Geist bereits da. Dieser Geist ist der Atem, d.h. das Lebensprinzip von allem, was lebt. So heißt es im Buch Hiob in der Bibel: „Was passiert denn, wenn Gott vorhätte, seinen Geist und Lebensatem zurückzuziehen? Dann würde die ganze Welt auf einmal sterben, und der Mensch müsste zum Staub zurückkehren” (Hiob 34,14-15; siehe auch Psalm 104,29-30). Der Heilige Geist wirkt sich als Lebensspender aller Geschöpfe aus.
Aber der Geist Gottes ist nicht nur der Lebensspender, sondern schenkt auch Befähigung zu unterschiedlichen Fähigkeiten und sogar zu übermenschlichen Taten. So erhielten besonders Richter wie Otniël, Gideon, Jiftach und Simson von Gott die Kraft, das Volk zu führen oder zu retten. Besonders Simson erhielt durch den Heiligen Geist so große Kraft, dass er einen Löwen wie ein Böcklein zerreißen konnte (Richter 14,6). Außerdem wirkte sich der Geist zur Zeit des Alten Testaments in Form von besonderer Führungsgabe oder als physische Kraft aus.
Der Geist Gottes war auch am Werk, als Bezalel Weisheit, Verstand und Erkenntnis mit allerlei Fertigkeiten erhielt, um die Stiftshütte bauen zu können (2.Mose 31,2-5). Dabei wirkte er sich als ein Geist der Kreativität aus.
Wenn Gottes Volk Trost, Rat oder Korrektur brauchte, so war es der Geist Gottes, der Menschen befähigte, Gottes Wort prophetisch zu reden. Dazu gibt es unzählige Bibelstellen. Zwei als Beispiel: Der Geist Gottes kam auf Jahasiël, der sprach: „So spricht der Herr zu euch: Habt keine Angst und erschreckt nicht vor diesem großen Heer! Der Kampf ist nicht eure, sondern Gottes Sache.” (2.Chronik 20,14-15)
An anderer Stelle ergriff der Geist Gottes Secharja, der vor das Volk trat und sprach: „So spricht Gott! Warum missachtet ihr die Gebote des Herrn? So wird euch nichts gelingen. Ja, ihr habt euch vom Herrn abgewandt, und nun hat er sich von euch abgewandt.“ (2.Chronik 24,20)
Zusammenfassend kann man sagen: Der Geist Gottes im Alten Testament wirkte sich aus als Lebensprinzip, als Kraft, Weisheit und Kreativität und als Befähigung zur Prophetie.
Die Auswirkung des Heiligen Geistes im Neuen Testament
Zunächst ist zu unterscheiden zwischen den Gaben und den Früchten des Heiligen Geistes. Beides sind Auswirkungen des Geistes, aber von ganz unterschiedlichem Ausmaß.
Die Gaben des Geistes
Klar ist im ganzen Neuen Testament, dass es verschiedene Gaben desselben Geistes gibt und dass diese Gaben zum Nutzen aller sind. Unterschiedliche Gaben werden benannt. Nach 1. Korinther 12,4-11 gibt der Geist ganz allgemein Ämter und Kräfte. Er gibt Worte der Weisheit und Worte der Erkenntnis. Er verleiht Glauben und die Fähigkeit zu heilen oder Wunder zu tun, prophetisch zu reden und die Geister zu unterscheiden. Zudem gibt er manchen die Gabe der Zungenrede und auch die Gabe, sie auszulegen.
Nach Römer 12,6-8 gibt es die Gaben der prophetischen Rede, verschiedene Ämter, die Gabe zu lehren, zur Ermahnung und zum Trost. In dieser Liste wird auch die Gabe zum Geben, zum Leiten und zur Barmherzigkeit aufgeführt.
In Epheser 4,11-13 wird der sogenannte fünffältige Dienst benannt: Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer. Durch diese fünf verschiedenen Dienste soll die Gemeinde zugerüstet werden mit folgendem Ziel: „Wir sollen zu vollendeten Menschen werden und erwachsen genug, Christus in seiner ganzen Fülle zu erfassen.”
In Römer 8 gibt es weitere wichtige Aussagen über die Auswirkungen des Geistes. Er befreit von dem Gesetz der Sünde und macht lebendig. Er führt in die Gotteskindschaft. Zugleich ist er eine Art Vorgeschmack auf die kommende Erlösung, welche die ganze Schöpfung betreffen wird. Im gegenwärtigen Leid hilft der Geist uns zu beten, durch unaussprechliche Seufzer.
Im Johannesevangelium werden ebenfalls Auswirkungen des Geistes beschrieben. Jesus hatte seinen Jüngern versprochen, dass ein anderer Beistand bzw. ein Tröster kommen würde, der in Ewigkeit bleibt (Johannes 14,16). Dieser Beistand ist der Heilige Geist, der bei und in den Gläubigen wohnt. Er erinnert daran, was Jesus gesagt hat (Johannes 14,26). Er zeugt nicht nur von Jesus, sondern befähigt auch zum Zeugnis (Johannes 15,26-27). Er öffnet der Welt die Augen über die Sünde, über die Gerechtigkeit und über das Gericht (Johannes 16,8). Er leitet in die ganze Wahrheit und verkündet sogar, was zukünftig geschehen wird (Johannes 16,13).
Alle oben beschriebenen Gaben sind Auswirkungen des Heiligen Geistes. Sie sind allgemein für den Dienst am Reich Gottes bzw. für den Aufbau der Kirche gedacht. Ändert sich der Dienst, können sich auch die Gaben ändern. Diese Gaben sind nicht unser persönlicher Besitz. Gott kann in seiner Weisheit beschließen, sie auch wieder zurückzunehmen.
Die Frucht des Geistes
Anders ist das mit den Geistesfrüchten. Sie werden in Galater 5,22-23 aufgezählt: „Der Geist dagegen bringt als Ertrag: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Güte und Großzügigkeit, Treue, Freundlichkeit und Selbstbeherrschung. Gegen all das hat das Gesetz nichts einzuwenden.” Früchte wachsen und das braucht Zeit. Bei den Früchten des Geistes geht es um geistliches Wachstum und dazu braucht es neben dem Heiligen Geist auch unser Zutun.
Petrus sagt dazu: „Bemüht euch deshalb nach Kräften, dass zu eurem Glauben das richtige Verhalten kommt. Zum richtigen Verhalten soll die Erkenntnis kommen, zur Erkenntnis die Selbstbeherrschung, zur Selbstbeherrschung die Standhaftigkeit, zur Standhaftigkeit die Ausübung des Glaubens, zur Ausübung des Glaubens die geschwisterliche Liebe und zur geschwisterlichen Liebe die Liebe überhaupt.” (2.Petrus 1,5-7)
Es ist der Weg der Jesusnachfolge, der Selbstverleugnung, der Demut und Buße, der die Früchte des Geistes wachsen lässt oder eben nicht. Dabei geht es nicht um Selbsterlösung. Jesus ist der einzige Erlöser. Es geht um die Frage, wie stark Menschen in und aus dieser Erlösung leben.
Anders formuliert geht es um die Frage, ob sich der Geist sich in Menschen auswirken kann. Denn es ist möglich, die Auswirkung des Geistes zu verhindern: Man kann dem Geist widerstehen (Apostelgeschichte 7,51), ihn betrüben (Epheser 4,30) oder gar auslöschen (1.Thessalonicher 5,19).
Wenn Menschen sich dagegen um das Wachstum der Geistesfrüchte bemühen, dann gilt, was Petrus sagt: „Seht zu, dass es dies alles bei euch gibt und dass es immer mehr wird. Dann werdet ihr auch nicht untätig und erfolglos sein in der Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus.” (2.Petrus 1,8) Wer sich um die Geistesfrüchte bemüht, der wird irgendwann erleben, dass sie wachsen.
Damit Geistesfrüchte wachsen können, müssen Gläubige jedoch, wie Jesus sagt, mit ihm verbunden bleiben. Dafür gebraucht er das Bild vom Weinstock: Jesus ist der Weinstock und der Vater ist der Weingärtner. Nur wer am Weinstock, also in Jesus bleibt, kann Frucht bringen (Johannes 15,1-5). Dieser Prozess ist eine Auswirkung des Heiligen Geistes: „Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen” (Johannes 3,5 vgl. Titus 2,4-7). Wiedergeburt ist gewissermaßen das Teilwerden am Weinstock, der Jesus ist. Wenn wir uns um das Wachstum der Geistesfrüchte bemühen, so müssen wir wissen, dass der Geist immer zuerst gewirkt hat.
Auf diese Weise wirkt sich der Heilige Geist aus.
Dr. Dario Colombo
BewegungPlus Grenchen (Pastor)
International Seminary of Theology and Leadership (Dekan)
Informationen

Gottes Wort neu entdecken.
Tiefe verstehen. Im Glauben wachsen.
Du hast die Antwort auf Deine Frage gelesen - gehe jetzt den nächsten Schritt. Mit creedle mapc findest Du Menschen, die bewusst mit Jesus leben, sich mit der Bibel beschäftigen und mit Dir ins Gespräch kommen wollen. Entdecke Kleingruppen mit unterschiedlichen Angeboten, Gesprächskreise und Kirchen in Deiner Nähe. Gemeinsam könnt ihr tiefer eintauchen.

