
Wie erkennt man, ob jemand wirklich an Jesus Christus glaubt?
Kurze Antwort
Den Ursprung des christlichen Glaubens finden wir bei Jesus. Glaube beinhaltet somit immer das Bekenntnis zu Jesus als dem Sohn Gottes (Matthäus 16,15-17). Ein Christ sollte den Aussagen über Jesus in der Bibel zustimmen. Zusätzlich betont die Bibel auch das Handeln als Zeichen für wahren Glauben (Jakobus 2,17). Vertrauen auf Jesus sollte sich im Handeln eines Christen widerspiegeln. Das Bekenntnis und das Handeln sind also zwei sich ergänzende Indizien dafür, dass ein Mensch Christ ist.
Die Frage nach dem wirklichen Glauben
Die Frage nach den Merkmalen des Glaubens ist eine Frage, die bis in den Kern der christlichen Theologie, also des Nachdenkens über Gott, geht. Wie können wir in all den verschiedenen Erscheinungsformen irgendwas über den „wirklichen Glauben“ sagen? Um das Wesen hinter den vielen verschiedenen Facetten zu finden, schauen wir am besten zurück zum Anfang des Glaubens.
Der Ursprung des christlichen Glaubens ist Jesus Christus. Wenn wir also wissen wollen, wie wir Vertrauen auf Jesus erkennen können, müssen wir vor allem Jesus kennenlernen.
Glaube und Bekenntnis: Die inhaltliche Komponente
Das Vertrauen auf Jesus Christus zeigt sich zum einen im Bekenntnis zu ihm. Wenn sich jemand als Christ bezeichnet, sollte er oder sie also den Aussagen über Jesus in der Bibel zustimmen. Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer:
„Wenn du also mit deinem Mund bekennst: ‚Jesus ist der Herr!‘
Und wenn du aus ganzem Herzen glaubst: ‚Gott hat ihn von den Toten auferweckt!‘
Dann wirst du gerettet werden. Denn aus dem Herzen kommt der Glaube, der gerecht macht. Und aus dem Mund kommt das Bekenntnis, das zur Rettung führt.“ (Römerbrief 10,9-10)
Paulus verbindet den Glauben klar mit einem Bekenntnis über die Grundwahrheit des christlichen Glaubens: Jesus ist auferstanden. Dieses Bekenntnis ist ehrlich. Es kommt aus dem Herzen. Auch Jesus erwartete von seinen Jüngern, dass sie ihr Vertrauen vor anderen Menschen bekannten (vgl. Matthäus 10,23).
Man könnte also denken: Somit ist jeder, der ein Glaubensbekenntnis unterschreibt und diesen Dingen zustimmt, ein Christ. Vielleicht sogar jeder, der große Teile der Bibel auswendig kann? Nein, denn es gibt viele Menschen, die den Wahrheiten der Bibel zumindest bis zu einem gewissen Grad zustimmen, aber trotzdem keine Christen sind. Wir müssen uns jetzt also noch die zweite Seite des christlichen Glaubens anschauen.
Glaube und Handeln: Die ethische Komponente
Neben dem Bekennen ist der Glaube auch eine sehr praktische Angelegenheit. Zusätzlich zu Paulus Definition von Glauben erklärt uns ein anderer Zeitgenosse von Jesus einen weiteren Aspekt unseres Themas. In seinem Brief richtete sich Jakobus an Christen, die in genau diese Falle getappt waren, wie gerade angeführt: Sie dachten, dass es beim Glauben vor allem um Erkenntnis, Wissen und Verstehen geht. An sie schrieb Jakobus Folgendes: „So ist es auch mit dem Glauben: wenn er sich nicht in Taten zeigt, bleibt er für sich allein und ist tot.“ (Jakobus 2,17)
Das Vertrauen auf Jesus sollte sich also offensichtlich im Handeln widerspiegeln. Es ist hier wichtig zu verstehen, dass es sich nicht um zwei voneinander trennbare Aspekte des Vertrauens handelt. Wir brauchen a) das Bekenntnis und b) gute Werke. Aber das sind keine voneinander getrennten Seiten des Glaubens. Vertrauen auf Jesus ist seinem Wesen nach schon etwas, das sich im Verhalten und Handeln eines Christen zeigt. Die Taten, von denen Jakobus hier spricht, sind vielfältig, und wie genau ein Christ sein Leben gestalten sollte, ist eine sehr viel größere Frage.
Generell können wir sagen, dass persönliches Vertrauen auf Jesus von einem Austausch zwischen dem Bekenntnis und den Taten abhängig ist. Dass jemand auf Jesus hört, zeigt sich ganz praktisch durch das Lesen der Bibel oder auch das Hören auf ihre Inhalte in Predigten, Gottesdiensten oder Büchern. Jesus redet auch persönlich zu uns Christen durch den Heiligen Geist (Johannes 14,26).
Genauso sollte jemand, der auf Christus vertraut, dass Gespräch mit dem lebendigen Jesus suchen. Dieses Reden zu Jesus wird Gebet genannt und ist eine wichtige Ergänzung zum Hören auf ihn.
Glaube zeigt sich aber auch immer in Beziehung mit Menschen, also in dem liebevollen Umgang mit anderen. Gegen Ende seines Lebens sagte Jesus zu seinen Jüngern, dass man sie an der Liebe zueinander erkennen wird (Johannes 13,35). Laut Jesus ist also die Liebe zueinander ein Erkennungsmerkmal des Glaubens. Wie diese Liebe zu anderen Menschen aussieht, ist eines der Hauptthemen der ganzen Bibel (Matthäus 22,39).
Diese Taten des Glaubens werden an anderer Stelle auch als „Frucht“ oder „Ertrag” (Galater 5,22) des Glaubens bezeichnet. Das zeigt uns, dass sich neben den äußerlichen Taten auch der Charakter eines Christen verändert. Er wird unter anderem liebevoller, fröhlicher, friedvoller, geduldiger, gütiger und großzügiger.
Nun könnte man denken: Heißt das also, dass jemand, der der Bibel glaubt und gute Taten tut, wie zum Beispiel betet und zum Gottesdienst geht und vielleicht noch etwas freundlicher wird, dann ein Christ ist? – Nicht unbedingt.
Indizien statt Beweise: Unschärfe bleibt
All diese Dinge sind Indizien, dass jemand an Christus glaubt, aber keine endgültigen Beweise. Schon in den Berichten über Jesus sehen wir einige Beispiele von Menschen, die viele Anzeichen eines echten Glaubens besaßen, doch in ihrem Herzen trotzdem nicht glaubten. So lesen wir zum Beispiel von Judas, einem der zwölf engsten Begleiter von Jesus, der immer an seiner Seite war. Er war sogar so etwas wie der Buchhalter von Jesus. Wer ist ein echter Christ, wenn nicht er? Und doch war er derjenige, der Jesus für etwas Geld verraten hat.
Auch im Matthäusevangelium redet Jesus davon, dass es einige geben wird, die ihn als Herrn bezeichnen und trotzdem nie ihr persönliches Vertrauen auf ihn setzen (Matthäus 7,21). Sie haben also nie eine Beziehung mit ihm. Von den gleichen Leuten sagt Jesus auch, dass sie viele Wunder in seinem Namen tun werden (Matthäus 7,22). Von außen gesehen erfüllen sie also viele der oben genannten Kriterien. Sie glauben die Wahrheiten über Jesus (er ist Herr) und sie tun Wunder, trotzdem haben sie keine Beziehung zu Jesus. Sie sind also keine Christen.
Also was jetzt? Kann man dann überhaupt erkennen, ob jemand an Christus glaubt? Ja und Nein. Wir können stückweise erkennen, dass jemand an Jesus glaubt. So gibt es Menschen, die sich komplett verändern, nachdem sie ihr Vertrauen auf Jesus gesetzt haben. Es gibt Süchtige, die von Sucht frei werden. Gangmitglieder, die sich entscheiden, ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Es gibt Menschen, die ein großes Wissen über die Bibel und die einzelnen Aspekte des Glaubens haben und diese Botschaft mit vielen anderen teilen. Auch können uns besonders geduldige und freundliche Menschen begegnen und wieder andere opfern viel Geld und Zeit, um benachteiligten Menschen zu helfen.
In all diesen Dingen können wir Glauben erkennen. Wir können aber durch all diese Dinge keinen Glauben beweisen. Eine absolute Aussage über die Herzenshaltung eines anderen Menschen können wir als Menschen nicht machen. Die Bibel sagt uns, dass ein solches Urteil letztendlich Gott zusteht. Paulus traut sich nicht einmal, ein Urteil über sein eigenes Leben zu fällen. Er sagt: „Nur der Herr kann über mich urteilen“ (1.Korinther 4,4). Nur Gott kennt das Herz des Menschen und bringt ans Licht, was im Dunkeln ist, und enthüllt die geheimsten Absichten (1. Korinther 4,5).
Wir können also den Glauben anderer nicht abschließend beurteilen. Ein vorläufiges Urteil anhand der inhaltlichen und ethischen Kriterien muss uns genügen. Wo wir Menschen begegnen, die diesen Weg vorbildlich beschreiten, dürfen wir uns freuen, von ihnen lernen und Gemeinschaft mit ihnen haben. Und wir können für uns ganz persönlich die Entscheidung treffen, unser Vertrauen auf Jesus zu setzen, und Gott bitten, uns den Glauben an ihn zu schenken.
Marek Lüdemann
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