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Wie empfängt man den Heiligen Geist?
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Wie empfängt man den Heiligen Geist?

Kurze Antwort

Alle Christen haben den Heiligen Geist; sie haben ihn durch den Glauben an Jesus empfangen und sind durch ihn mit allen Gläubigen verbunden. Zusätzlich ermutigen besonders das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte dazu, sich nach der Kraftausrüstung des Heiligen Geistes auszustrecken. Durch verschiedene Kraftwirkungen des Heiligen Geistes wird die Verkündigung des Evangeliums durch die Gläubigen unterstützt.

Im Neuen Testament ist von zwei unterschiedlichen Erfahrungen die Rede, die als „Geistempfang“ verstanden werden. Für beide Erfahrungen wird manchmal auch der Begriff „Geistestaufe“ verwendet, obwohl das Substantiv selbst im Neuen Testament nicht vorkommt. (Eine Beschreibung der Handlung findet sich in Matthäus 3,11 oder Johannes 3,5.)

 

Alle Gläubigen empfangen den Heiligen Geist

Zum einen wird im gesamten Neuen Testament klar: Jeder, der an Jesus glaubt, hat den Heiligen Geist. Paulus und die übrigen Apostel gehen selbstverständlich davon aus und können von daher die Gemeinden auch pauschal so ansprechen (zum Beispiel in Galater 6,1). An keiner Stelle scheint die Notwendigkeit zu bestehen, die Gemeinde davon zu überzeugen, dass der Heilige Geist in jedem einzelnen Gläubigen wirkt. Schließlich sind alle Gläubigen durch den Geist zu dem einen „Leib von Jesus“ (= die Gemeinde) getauft und entsprechend vom Geist erfüllt (siehe 1. Korinther 12,13).

 

Der Moment des Geistempfangs bleibt dabei ein nicht exakt zu greifendes Geheimnis. Für Paulus ist jedoch klar, dass der Heilige Geist von Gott „empfangen“ oder „gegeben“ wird (siehe etwa Römer 5,5; 8,15; 1. Korinther 2,12; 2. Korinther 1,22;  2. Korinther 11,4; Galater 3,2.14; 1. Thessalonicher 4,8), und zwar durch den Glauben (an Jesus). Eine umgekehrte Aussage finden wir bei Paulus explizit nicht, also dass der Glaube aufgrund des Heiligen Geistes gegeben wird. Anhand des Zeugnisses des gesamten Neuen Testaments können wir allerdings davon ausgehen, dass ein Mensch gar nicht an Jesus glauben könnte, wenn der Heilige Geist ihn nicht dazu befähigen würde.

 

In diese Richtung deutet auch die „Sünde gegen den Heiligen Geist“ in Lukas 12,10: Das grundlegende Werk des Heiligen Geistes für den Menschen besteht darin, dass er ihm Glauben schenken möchte, damit er gerettet werden kann. Wer diesem Wirken des Heiligen Geistes (dauerhaft) widersteht, kann den Glauben nicht empfangen und infolgedessen auch nicht den Heiligen Geist, der ihm seine Zugehörigkeit zur Gemeinde und zu Gott als dessen Kind innerlich bestätigt (siehe Römer 8,16). In der Praxis ist die persönliche Annahme des Glaubens und der Empfang des Heiligen Geistes aber kaum zu trennen, weder zeitlich noch sachlich. In diese Richtung deutet Paulus auch in Epheser 1,13.

Der Heilige Geist als Kraftausrüstung

Zum anderen betont besonders Lukas in seinen Schriften die Kraftkomponente des Heiligen Geistes, die eigens empfangen werden kann und soll. Das ist nicht als Alternative zum Geistempfang im übrigen Neuen Testament zu verstehen. Vielmehr ist es eine Ergänzung für das Leben als Christ, speziell im Blick auf die individuelle Berufung jedes Christen als Zeuge von Jesus in seinem Lebensumfeld.

 

Liest man das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte für sich, so merkt man, dass die Aussagen über das Wirken des Heiligen Geistes weniger vielfältig sind als zum Beispiel bei Paulus (siehe oben): In den Schriften des Lukas äußert sich der Heilige Geist als äußerlich wahrnehmbares Phänomen, um durch Zeichen und Kraftwirkungen die gute Botschaft von Jesus (= das Evangelium) begleitend zu bestätigen. Markant ist hierfür die Taufe mit dem Heiligen Geist bei Jesus selbst in Lukas 3,22, die Jesus in Lukas 4,18 durch ein Jesajazitat (Jesaja 61,1) erläutert:

 

„Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Armen gute Nachricht zu bringen und gebrochene Herzen zu heilen. Den Gefangenen soll ich zurufen, dass sie frei sind und ihre Fesseln gelöst werden. Er hat mich gesandt, ein Jahr auszurufen, in dem der Herr Freiheit schenkt.”

 

In diese aktive Mission von Jesus klinken sich nach dessen Himmelfahrt die Jünger und die entstehende Gemeinde seit Pfingsten mit ein, nachdem sie selbst von ihm den Heiligen Geist dafür (= Geistestaufe) empfangen haben (siehe Apostelgeschichte 1,4-5.8; Apostelgeschichte 2,17-21.33). Das ist jedoch nicht als einmaliges Phänomen im Leben der Gläubigen zu verstehen. Diese Kraftausrüstung des Heiligen Geistes erhalten in der Apostelgeschichte auch solche Christen immer wieder, die sie zuvor bereits empfangen hatten (vgl. Apostelgeschichte 2,1-4 mit Apostelgeschichte 4,31). Lukas stellt keine feste Systematik dafür auf, wie und wo genau sich dieser Geistempfang äußern muss. Gemeinschaftliches oder individuelles Gebet wird in diesem Zusammenhang jedoch öfter erwähnt (siehe etwa Lukas 11,13; Apostelgeschichte 2,1-4; Apostelgeschichte 4,31).

Viele Christen verstehen die biblischen Aussagen dazu anders, in dem Sinne, dass der Heilige Geist im selben Moment vollumfänglich empfangen wird (also Heils- und Kraftkomponente zusammen), in dem ein Mensch zum Glauben kommt (vgl. 1. Korinther 12,13). Die Berichte der Apostelgeschichte bestätigen auch solche Überzeugungen, zum Beispiel in Apostelgeschichte 10,44-48. Daneben beschreibt Lukas jedoch auch Situationen, in denen eine Geisterfüllung mit wahrnehmbarer Kraftwirkung erst nach einer Bekehrung geschieht (zum Beispiel Apostelgeschichte 19,5-6 – allerdings wird auch dieser Text manchmal im Sinne eines untrennbaren Gesamtereignisses interpretiert). In jedem Fall möchte der Heilige Geist im weiteren Verlauf des Lebens des Gläubigen beispielsweise eine Veränderung des Charakters bewirken (Galater 5,22-23). Ebenso können die Gläubigen in besonderer Weise wiederholt erfüllt werden vom Heiligen Geist für verschiedene Zwecke (Epheser 5,18-21).

Zu beachten ist noch, dass dieser Geistempfang auch im Sinne der Kraftausrüstung keiner elitären Gruppe unter den Christen vorbehalten ist, sondern wirklich für alle Christen gedacht ist. Gleichwie alle, die zu Jesus gehören, den Auftrag teilen, die Ausbreitung der Botschaft des Evangeliums in der Welt zu fördern (siehe Apostelgeschichte 1,8; in diesem Sinne ist auch Johannes 20,21-22 zu verstehen). Damit unterscheidet sich der Geistempfang als Kraftausrüstung bei Lukas auch von den Geistesgaben, über die Paulus zum Beispiel in Römer 12,3-8 oder 1. Korinther 12,4-11 schreibt. Zwar stellen diese in gewisser Weise auch Kraftwirkungen des Heiligen Geistes dar. Sie sind aber in erster Linie für die Gemeinde selbst, zur gegenseitigen Erbauung gegeben, nicht für die Weitergabe und Bestätigung des Evangeliums nach außen.

 

 

Dr. Mathias Nell

BFP-Ausbildung 

Bibel
Lehre und Theologie
Nachfolge
Geändert am: 9.1.2026

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