
Wer war Jesus Christus?
Kurze Antwort
Jesus Christus ist die zentrale Gestalt des christlichen Glaubens. Er trat als Verkündiger des Reiches Gottes in Israel auf, tat zahlreiche Wunder und sammelte Schüler um sich. Weil die Römer in ihm einen Aufrührer sahen, verurteilten sie Jesus zum Tod am Kreuz. Seine Anhänger berichten, dass er von Gott auferweckt wurde und ihnen lebendig erschienen ist. Sein Auftrag an sie war es, alle Menschen zum Glauben an ihn einzuladen. Daraus entstand das Christentum.
1. Die Herkunft von Jesus
Jesus stammte aus einer Familie, die zu den Nachkommen von König David gehörte. Die Heimatstadt Davids und seiner Familie war Bethlehem, südlich von Jerusalem gelegen. Dort wurde Jesus geboren; aufgewachsen ist er jedoch in Nazareth in Galiläa.
Seine Zeugung ist nach christlicher Überlieferung auf ein Wirken des Heiligen Geistes zurückzuführen. Deshalb hatte Jesus zwar eine menschliche Mutter (Maria), aber keinen natürlichen Vater. Gott selbst gilt als sein Vater. Diese einzigartige Beziehung zwischen Gott und seinem Sohn Jesus ist in den Evangelien vielfach beschrieben (Matthäus 3,17; Markus 14,61-62; Lukas 10,22). Seine Mutter Maria war mit Josef, einem Mann aus der Familie Davids, verlobt, als sie mit Jesus schwanger wurde. Josef war also der „Ziehvater“ von Jesus und er wurde über ihn zu einem „Sohn“ (= Nachkommen) Davids. Damit ist in der jüdischen Tradition das Versprechen Gottes verbunden, dass einer der Nachkommen Davids der Messias sein sollte. „Messias“ ist ein Lehnwort aus der hebräischen Sprache und bedeutet „der Gesalbte“; die griechische Übersetzung von „Messias“ ist „Christos“. Zur Verwandtschaft seiner Mutter gehörte auch die priesterliche Familie von Johannes dem Täufer, der sechs Monate älter war als Jesus.
Vor seinem öffentlichen Auftreten arbeitete Jesus wie sein Ziehvater Josef als Bauhandwerker. Die Familie lebte gemäß den Geboten Gottes und besuchte regelmäßig an den Wallfahrtsfesten den Tempel in Jerusalem.
2. Das Wirken von Jesus
Zu Beginn seines Wirkens ließ sich Jesus von Johannes taufen. Damit unterstellte er sich dem Willen seines himmlischen Vaters (Matthäus 3,13-15). In der Taufe bestätigte Gott seine Vaterschaft durch eine himmlische Stimme und das Herabkommen des Heiligen Geistes auf Jesus. Diese enge Beziehung zu Gott unterschied Jesus von anderen Lehrern, Wundertätern und prophetischen Gestalten seiner eigenen Zeit und der bisherigen Geschichte Israels.
Er war nicht nur wie die Propheten oder Wundertäter Sprecher für Gott oder Handelnder für Gott, sondern in ihm war Gott selbst bei seinem Volk anwesend. Darum sprach Jesus davon, dass er „gekommen ist“, um den Auftrag Gottes, seines Vaters, auszuführen (z. B. Matthäus 5,17; Johannes 6,38; Epheser 2,17). Wie Gott vergab er Sünden (Markus 2,7) und heilte Aussätzige (vgl. Markus 1,40-42), was nach dem Alten Testament nur Gott selbst kann (2. Könige 5,7). Wie Gott wusste er, was im Herz des Menschen ist (Markus 2,8 und dazu 1. Samuel 16,7; Matthäus 12,25). Er heilte nicht nur Krankheiten und befreite von Dämonen, sondern als Mitschöpfer (1. Korinther 8,6)*15 hatte er Macht über die Natur: Wind und Wellen gehorchten ihm (Matthäus 8,23-27; 14,28-32) und Brot vermehrte sich unter seinen Händen (Markus 6,41-44). Deshalb wurde Jesus auch „Immanuel“ genannt, was „Gott mit uns“ bedeutet (Matthäus 1,23).
Wichtiger als die Heilungen und sonstigen Wunder ist jedoch die Vergebung der Sünden (Markus 2,5; Johannes 5,15). Sie zu ermöglichen war der eigentliche Auftrag des Gottessohnes Jesus (Matthäus 20,28; 1. Korinther 15,3; Philipper 2,6-11). Der Tod am Kreuz war darum kein tragisches Unglück, sondern das Ziel, für das Jesus in die Welt gekommen war. Wie man zu seiner Person und seiner Botschaft steht (Matthäus 7,24-27) entscheidet darum über ewiges Leben oder ewiges Verderben. Jesus verbindet das ewige Leben und das Reich Gottes bzw. das Himmelreich miteinander (Matthäus 19,16-25; Johannes 6,40; 11,25-27).
3. Der Tod von Jesus
Jesus starb nicht den Tod eines Märtyrers, der für seine Sache in den Tod geht. Vielmehr verstand er seinen Tod als eine freiwillige Opfergabe. Sie ermöglicht es den Menschen, Vergebung für ihre Verfehlungen („Sünden“) zu erbitten und einen Bund mit Gott zu schließen (Matthäus 26,26).
Deshalb kam die Verurteilung zum Tod für ihn nicht überraschend. In den Wochen zuvor hatte sie sich bereits angekündigt: Die Aussagen über sein besonderes Verhältnis zu Gott brachten ihm den Vorwurf ein, sich „selbst zu Gott“ zu machen (Johannes 10,33) und damit ein Gotteslästerer zu sein. Auch sein Umgang mit religiös ausgegrenzten Menschen (Matthäus 11,19; Lukas 7,36-50; 15,1-2), seine Auslegung der Gebote Gottes und eine provozierende Aktion im Tempel in Jerusalem (Markus 11,15-18) hatten zu Kontroversen mit den jüdischen Autoritäten geführt. In ihren Augen war Jesus ein Verführer des Volkes, der nach dem Gesetz Gottes den Tod verdiente. Deshalb lieferten sie Jesus an Pilatus aus.
Auch für die römischen Autoritäten war Jesus ein Rebell mit einem zu großen Einfluss und einer gefährlichen Botschaft von einem Reich (Imperium), in dem nicht die Römer die Macht innehatten. Der jüdische Historiker Josephus schreibt am Ende des 1. Jahrhunderts in seiner Geschichte des jüdischen Volkes, dass der römische Statthalter Pilatus ihn „auf Anzeige der Vornehmsten unter uns zum Kreuzestod verurteilte“.
Jesus hatte seine Anhänger auf seinen gewaltsamen Tod vorbereitet und ihnen zugleich vermittelt, dass dieser noch nicht das Ende ist (Matthäus 16,21; Johannes 17).
4. Die Auferstehung von Jesus
Seine Anhänger bezeugten, dass Jesus am dritten Tag nach seiner Hinrichtung auferstand und sie ihm begegneten. Dieses Erleben stärkte ihre Gewissheit, dass er tatsächlich Israels Messias und Gottes Sohn war. Im ältesten überlieferten Bekenntnistext, der schon in den 30er-Jahren des ersten Jahrhunderts entstanden ist, heißt es: „Er wurde begraben und am dritten Tag auferweckt, wie es in der Heiligen Schrift steht“ (1. Korinther 15,4). Denn die Auferstehung des Messias wurde schon in der jüdischen Bibel, dem christlichen Alten Testament, in verborgener Weise angekündigt. Dann werden die verschiedenen Zeugen aufgezählt, denen Jesus als der Auferstandene begegnet ist. Als der Text aufgeschrieben wurde, waren „die meisten von ihnen“ noch am Leben (1. Korinther 15,6) und konnten darum befragt werden. Auch Paulus, der Autor selbst, war Zeuge des Auferstandenen.
Die Auferstehung von Jesus ist nicht mit der Wiederbelebung eines Leichnams gleichzusetzen. Auferstehung bedeutet eine neue körperliche Existenzweise, die nicht mehr an Raum und Zeit gebunden ist. Denen, die an ihn glauben, hat Jesus zugesagt, dass auch sie auferstehen werden, wenn er zurück auf diese Erde kommt, um über „die Lebenden und die Toten“ Gericht zu halten, wie es das allen christlichen Kirchen gemeinsame Glaubensbekenntnis („Apostolikum“) ausdrückt. Mit der Auferstehung verbunden ist die Erwartung einer Umwandlung dieser Welt in einen Ort, an dem Tod, Leid und Tränen keinen Platz mehr haben werden (vgl. Offenbarung 21,1-8).
5. Die Quellen über das Leben von Jesus
Die wichtigsten Quellen über das Leben von Jesus sind die Schriften des Neuen Testaments, die in einem Zeitraum von etwa 20 bis 70 Jahren nach seinem Tod verfasst wurden. Zudem bestehen schriftliche Bezeugungen bei jüdischen (Josephus) und römischen Autoren (Plinius der Jüngere, Tacitus, Sueton), die ebenfalls zu dieser Zeit oder kurz danach verfasst wurden. Das ist für die Antike eine äußerst frühe und breite Bezeugung, die historisch zuverlässige Aussagen darüber ermöglicht, dass Jesus wirklich gelebt hat. All diese Texte betonen, dass Jesus noch lange nach seinem Tod eine große Wirkung auf viele Menschen hatte.
Die Freunde und Begleiter von Jesus bewahrten seine Botschaft und gaben sie weiter (Matthäus 28,16-20; Apostelgeschichte 1,8). Erste Gemeinden entstanden aus Juden und Nichtjuden, in denen Jesus als Messias (griechisch „Christos“) verehrt wurde. Darum wurden seine Anhänger bald darauf als „Christen“ (griech. christianoi, d. h. die „Anhänger des Messias/Christus“) bezeichnet (Apostelgeschichte 11,26).
Die Botschaft über das Leben, Sterben und die Auferstehung von Jesus wird „Evangelium“ genannt. Dieses griechische Wort bedeutet „Gute Nachricht“. Für die Anhänger von Jesus war und ist das Evangelium eine gute Botschaft für alle Menschen: Sie gibt Orientierung für das ganze Leben und Hoffnung über den Tod hinaus. Denn durch das, was Jesus getan hat, gibt es nun für alle, die an ihn glauben (Johannes 3,16), einen Zugang zur Vergebung der Sünden, Hoffnung auf die Auferstehung und ein ewiges Leben.
Roland Deines
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