
Was ist der Unterschied zwischen Allah und Gott?
Kurze Antwort
Der christliche Gott und Allah wirken auf den ersten Blick ähnlich, doch im Kern unterscheiden sie sich. Der christliche Gott ist Liebe, sucht Beziehung mit dem einzelnen Menschen, offenbart sich in Jesus Christus und schenkt Vergebung und Nähe wie ein Vater (Johannes 3,16). Allah hingegen wird im Islam anders verstanden. So sprechen Christen und Muslime zwar beide von „Gott“, meinen aber nicht dasselbe.
Wenn Christen und Muslime über „Gott“ sprechen, begegnen sie sich oft zunächst auf einer Ebene von scheinbaren Gemeinsamkeiten. Beide bekennen einen Schöpfer, beide glauben, dass es nur einen Gott gibt, beide beten, beide sind religiöse Menschen. Doch diese Ähnlichkeiten sind letztlich nur scheinbare Gemeinsamkeiten, die sich zwar als Gesprächseinstieg eignen, aber keine echten Gemeinsamkeiten sind. Aus der Ferne betrachtet mögen der christliche Gott und Allah im Islam vielleicht ähnlich wirken. Doch aus der Nähe zeigt sich: Es handelt sich nicht um denselben Gott.
Manchmal wird diskutiert, ob die Herkunft und Bedeutung der Begriffe „Allah“ oder „Gott“ Auskunft über die Wahrheit von Islam oder Christentum geben. Doch auf Ebene der Wortherkunft findet man hier keine Lösung. Arabische Christen und Muslime beispielsweise nennen Gott beide „Allah“, auch wenn sie damit inhaltlich nicht denselben Gott meinen.
Der christliche Gott offenbart sich selbst
Ein zentraler Unterschied zwischen Allah und dem Gott der Bibel besteht darin, wie der christliche Gott sich selbst offenbart. Allah offenbart zwar seinen Willen (im Koran), doch nicht sich selbst als Person oder sein Wesen. Die Bibel dagegen macht konkrete Aussagen über das Wesen Gottes, zum Beispiel: „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4,8).
Die christliche Offenbarung ist keine Buchoffenbarung (wie der Islam), sondern eine Selbstoffenbarung: Gott selbst offenbart sich den Menschen in Raum und Zeit. Von Anfang an begegnet Gott den Menschen: im Garten Eden (1. Mose 3,8), im Bund mit Abraham (1. Mose 17,1-22), im brennenden Dornbusch (2. Mose 3,1-22), in der Wüste durch seine Gegenwart (2. Mose 13,21-22), und schließlich in Jesus Christus (Johannes 1,14). Jesus Christus sagt von sich selbst: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater (Gott) gesehen.“ (Johannes 14,9) Im Islam hingegen gibt es keine Selbstoffenbarung Allahs. Allah tritt nicht in Beziehung. Er wird von niemandem gesehen – weder in dieser Welt noch im Paradies. Seine Offenbarung besteht im Herabsenden eines Buches, nicht in der persönlichen Begegnung (Sure 5:48; Sure 10:20).
Der Wille Gottes
Ein weiterer zentraler Unterschied betrifft das Verhältnis zwischen Gottes Willen und seinen Eigenschaften. Im Islam steht der Wille Allahs über allem. Alle Eigenschaften von Allah – z.B. Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit – sind von seinem Willen abhängig (Sure 2:284, Sure 14:4). Allah kann lieben oder auch nicht lieben. Er kann vergeben oder auch nicht vergeben. Das Ergebnis: Ein Muslim hat keine Glaubensgewissheit. Er weiß nicht, ob seine Taten angenommen werden, ob seine Gebete zählen, ob ihm vergeben wird (Sure 2:284; Sure 46:9). Erst nach dem Tod wird alles offenbar. Deshalb hört man Muslime so häufig sagen: „Inschallah – wenn Gott will.“ (Sure 18:23-24)
Der christliche Gott ist nicht willkürlich. Gottes Eigenschaften stehen nicht unter seinem Willen, sondern entsprechen seinem Wesen. Gott ist Liebe – und deshalb kann er nicht anders als zu lieben. Vergebung, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Heiligkeit gehören zu seinem Wesen. Deshalb können Christen Gewissheit haben: Gott liebt uns, weil er selbst Liebe ist.
Gott ist Liebe und tritt in Beziehung
Die Bibel beschreibt, dass Gott Liebe ist (1. Johannes 4,8). Liebe braucht Beziehung. Liebe existiert nicht ohne ein Gegenüber. Deshalb ist die Dreieinigkeit (also der Glaube an den einen Gott, der sich in drei Personen offenbart) keine abstrakte Lehre, sondern Ausdruck göttlicher Beziehungsfähigkeit: Vater, Sohn und Heiliger Geist stehen in ewiger Beziehung untereinander (Johannes 17,24).
Der Islam kennt theologisch keine persönliche Beziehung zu Gott. Wenn einzelne Muslime dennoch davon sprechen, entspringt das der grundlegenden menschlichen Sehnsucht nach Gott – nicht einer islamischen theologischen Grundlage. Das Christentum hingegen beantwortet diese Sehnsucht durch Christus: Gott kommt zu uns, damit wir Beziehung zu ihm haben können (2. Korinther 5,18-21).
Die Liebe Gottes bedeutet zugleich auch: Gott ist leidensfähig. Im gekreuzigten Jesus Christus hat Gott gelitten. Und daher kann Gott auch unser Leiden verstehen, uns trösten und uns im Leiden begleiten (Jesaja 53,4-9; Hebräer 2,17-18). Allah hingegen leidet nicht, er tritt nicht in Beziehung zum Menschen, er kommt nicht in die Welt.
Die Liebe von Gott wird auch darin deutlich, dass Gott in der Bibel als Bundesgott auftritt: Der christliche Gott schließt Bünde mit dem Menschen, beispielsweise mit Noah (1. Mose 9,8-17), Abraham (1. Mose 17,1-22), Mose und dem Volk Israel (2. Mose 19,5-8) und schließlich im neuen Bund durch Jesus Christus (Hebräer 9,15). Diese Bünde beruhen auf Gottes Treue, nicht auf menschlicher Leistung. Sie sind jeweils einseitig von Gott geschlossen, unabhängig von menschlicher Treue. Im Islam ist ein Bund immer an Bedingungen geknüpft: „Wenn du dieses tust, wird dir jenes getan.“ Die biblische Bundestreue hängt dagegen ausschließlich an Gott – deshalb schenkt sie Gewissheit.
Gott als Vater
Die Bibel beschreibt Gott als Vater, der seine Kinder liebt (1. Johannes 3,1; Lukas 15,20-24). „Vater“ vermittelt Identität, Zugehörigkeit, Nähe, Sicherheit. Weil Gott Vater ist, können Christen sagen: „Ich bin sein Sohn, seine Tochter“ (vgl. Römer 8,15-17).
Der Islam lehnt diese Gottesnähe grundsätzlich ab, außer in mystischen Bewegungen wie dem Sufismus, die selbst innerhalb des Islam oft verfolgt werden. Im Islam ist Allah niemals Vater (Sure 23:91). Muslime haben kein Vater-Gottesbild. Das christliche Vaterbild Gottes wird von ihnen häufig missverstanden, als wäre Gott ein biologischer Vater, der Kinder zeugt. Die geistlich-theologische Vaterlosigkeit im Islam ist wohl auch ein Grund für viele Herausforderungen in muslimischen Regionen.
Der gnädige Gott
Der christliche Gott ist ein gnädiger Gott (Psalm 103,8). „Gnade“ bedeutet: Ich erhalte etwas, das ich nicht verdient habe. Gott vergibt den Menschen, die an Jesus Christus glauben – auch wenn sie diese Vergebung und Rettung nicht verdienen (Epheser 2,8-9).
Im Islam hingegen meint „Gnade“ im Wesentlichen: „Gott akzeptiert meine guten Taten.“ (Sure 5:9) Doch echte, unverdiente Gnade fehlt.
Gott zeigt sich in Jesus Christus
Johannes 3,16 fasst das Wesen des christlichen Gottes zusammen: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hingab. Jeder, der an ihn glaubt, soll nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“
Hier wird deutlich: Gott liebt, Gott handelt, Gott gibt seinen Sohn. Diese Schritte gehen von Gott aus – nicht vom Menschen. Vergebung ist in der Bibel an Christus gebunden, nicht an menschliche Werke. Der Mensch kann auf das Handeln von Gott reagieren, indem er im Glauben daran festhält und so Rettung erlebt.
Damit wird klar: Solange man nur allgemein über „Gott“ spricht, findet man Überschneidungen zwischen Islam und Christentum. Doch in Jesus Christus tritt der entscheidende Unterschied hervor. Der Jesus des Islam ist ein Prophet – aber nicht der Sohn Gottes (Sure 4:171; Sure 5:75). Der Jesus der Bibel ist Gott selbst, offenbart als Mensch, der auf die Erde kam, um Gottes Liebe zu zeigen und eine Beziehung zwischen Gott und Mensch zu ermöglichen.
Was ist der Unterschied zwischen Allah und dem christlichen Gott?
Zusammenfassend kann man sagen: Christen und Muslime glauben nicht an denselben Gott, auch wenn es auf den ersten Blick scheinbare Ähnlichkeiten geben mag. Der christliche Gott unterscheidet sich in vielen Dingen von Allah: Er offenbart sich selbst. Seine Wesenszüge wie Liebe, Gerechtigkeit, Heiligkeit, Barmherzigkeit sind nicht an seinen Willen gebunden. Der christliche Gott ist Liebe. Das bedeutet, dass er in Beziehung tritt, seinen Bündnissen mit den Menschen treu ist und mit den Menschen mitleiden kann. Der christliche Gott ist ein Vater und ein gnädiger Gott. Er hat sich in Christus offenbart (Johannes 14,9).
Deshalb sollten Christen oder Muslime nicht aus Höflichkeit sagen, dass Islam und Christentum denselben Gott verehrten. Eine solche Aussage verdeckt die tiefen theologischen Unterschiede und entfernt sich vom biblischen Zeugnis. Echter interreligiöser Dialog basiert auf ehrlicher Auseinandersetzung mit den Unterschieden und konstruktivem Austausch über praktische Möglichkeiten des gemeinsamen Zusammenlebens.
Wer den christlichen Gott erkennen will, erkennt ihn durch Jesus Christus, wie ihn die Bibel beschreibt. Durch Jesus Christus kann jeder Mensch in eine persönliche Beziehung mit dem christlichen Gott treten, Vergebung der Sünden und Heilsgewissheit erhalten (Johannes 3,16). Der christliche Gott hat jeden Menschen geschaffen, er liebt jeden Menschen und wünscht sich eine Beziehung mit jedem – selbstverständlich auch mit jeder Person muslimischer Herkunft.
Yassir Eric
Bischof, Dozent, Autor
EIMI – Europäisches Institut für Migration, Integration und Islamthemen
