
Hatte Jesus Christus Freunde?
Kurze Antwort
Man kann begründet davon ausgehen, dass Jesus Freunde hatte. An einer Stelle spricht er über Lazarus als „unser Freund“ (Johannes 11,11). Als er von Judas verraten wird, begrüßt er ihn mit der Anrede: „Freund, dazu bist du gekommen?“ (Matthäus 26,50). Einer seiner Jünger wird im Johannesevangelium mit der Formulierung „der Jünger, den Jesus besonders liebte“ (Johannes 21,7) hervorgehoben. Auch da kann man von einer Freundschaft ausgehen.
Jesus nahm am gesellschaftlichen Leben teil
Nach allem, was wir durch das Neue Testament aus Jesu Leben wissen, war er jemand, der am gesellschaftlichen Leben teilnahm. Es wird von einer Hochzeitsfeier in Kana berichtet, bei der er und seine Jünger mitfeierten, ebenso seine Mutter (Johannes 2,2). Es gibt einige Berichte darüber, dass er bei verschiedenen Leuten zum Essen war. Beim Zollpächter Zachäus aus Jericho lud er sich selbst ein (Lukas 19,5-10). Als er beim Pharisäer Simon zum Essen war, wurde er mit kostbarem Öl gesalbt (Markus 14,3-9).
Von seinen Gegnern wurde Jesus als der „Freund der Zöllner und Sünder“ (Matthäus 11,19) bezeichnet. Damit ist wohl nicht im engeren Sinn Freundschaft gemeint. Es zeigt aber doch, dass Jesus keine Berührungsängste hatte und sich auf Beziehungen eingelassen hat. Er suchte auch die Nähe von Menschen, die für seine Gegner unrein und anstößig waren.
Enge Freunde von Jesus in Betanien
Jesus war auch zu Gast bei Marta und Maria, den Schwestern von Lazarus, und wurde dort bewirtet (Lukas 10,38-41). Mit diesen Dreien war er in besonderer Weise freundschaftlich verbunden und offenbar mehr als einmal Gast in ihrem Haus. Als Lazarus ernsthaft erkrankte, sandten die Schwestern die Nachricht von der Krankheit zu Jesus: „Herr, sieh doch! Der, den du lieb hast, ist krank.“ (Johannes 11,3) Im griechischen Text steht das Wort "phileis", das die Liebe unter Freunden, also Freundschaft, ausdrückt. Kurz darauf heißt es: „Jesus liebte Marta und ihre Schwester und auch Lazarus.“ (Johannes 11,5) Hier wird ein anderes griechisches Wort für Liebe verwendet, das sich von "Agape" herleitet, der bedingungslosen Liebe. Jesus selbst nannte Lazarus gegenüber seinen Jüngern „unser Freund“ (Johannes 11,11). Nach dessen Tod in Betanien angekommen, weinte Jesus mit den Trauernden (Johannes 11,35). Das wurde von den Beobachtern folgendermaßen kommentiert: „Seht doch, wie sehr er ihn geliebt hat!“ (Johannes 11,36)
Enge Freunde von Jesus unter seinen Schülern
Als jüdischer Rabbi (Lehrer der Heiligen Schrift) hatte Jesus Schüler. Diese werden Jünger genannt. Von den zwölf Jüngern aus dem engeren Kreis um Jesus wird ein Jünger im Johannesevangelium besonders hervorgehoben. Er wird an drei Stellen mit „der Jünger, den Jesus besonders liebte“ (z. B. Johannes 13,23) bezeichnet. Damit ist eindeutig eine besondere Beziehung markiert; ob Freundschaft hier die passende Charakterisierung ist, bleibt offen. An anderen Stellen werden die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes durch Bevorzugung hervorgehoben. Nur sie dürfen mit zu dem verstorbenen Mädchen des Synagogenvorstehers Jairus (Markus 5,37). Ebenso dürfen nur diese drei mit auf den sogenannten Berg der Verklärung (Markus 9,2). Diese Bevorzugung könnte Ausdruck einer freundschaftlichen Beziehung sein.
Eine neue Perspektive auf Beziehungen
In den damaligen Gesellschaftsformen war die Zugehörigkeit zu Familie und Sippe sehr zentral und hatte eine vorrangige Bedeutung in den Beziehungen. Auf diesem Hintergrund ist eine Äußerung von Jesus besonders bemerkenswert. Als seine Mutter und weitere Verwandte vor der Tür standen und ihn herausrufen ließen, fragte er: „Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ (Markus 3,33-35) Damit stellte er den Vorrang der Blutsverwandtschaft infrage und legte den Glauben bzw. das Tun von Gottes Willen als Grundlage für neue Beziehungsverhältnisse. Gleichzeitig öffnete er damit den Horizont für frei gewählte Beziehungen, die unserem heutigen Verständnis von Freundschaft eher entsprechen.
Für viele Christen ist Jesus heute ihr Freund. Er lebt und hat zugesagt, dass er immer bei seinen Anhängern sein wird (Matthäus 28,20). So kann man sich in jedem Augenblick an ihn wenden und diese Freundschaft leben.
Roland Abt
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