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Darf man Bilder von Gott schaffen?

Darf man Bilder von Gott schaffen?

Kurze Antwort

Die Darstellung Gottes ist in den Zehn Geboten nicht direkt verboten. Verwendet man aber solch eine Abbildung oder Statue zur Anbetung oder als Talisman, ist das Götzendienst und damit ein Verstoß gegen das zweite Gebot. In der Bibel erfahren wir: Gott hat sich durch Jesus sichtbar gemacht. So ist jede Darstellung von Jesus eine Darstellung von Gott.

So steht es in den Geboten: Du sollst dir kein Bild machen

Die meisten Interessierten haben schon von einem Bilderverbot in den Zehn Geboten gehört. Tatsächlich heißt es im zweiten Gebot: „Du sollst dir kein Bild von Gott machen! Nichts, was im Himmel und auf der Erde ist und im Wasser unter der Erde, kann ihn darstellen.“ (2. Mose 20,4) Dieses „Bilderverbot“ folgt direkt auf die Aufforderung im Vers davor: „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben“ (2. Mose 20,3). Diese beiden Aussagen ergänzen sich und zielen darauf ab, dass der Mensch sich kein Götzenbild erstellen soll, das er in der Folge möglicherweise sogar zur Anbetung nutzt. Tatsächlich entspricht das der eigentlichen Bedeutung des Originaltextes mehr als die Deutung, dass es verboten sei, sich ein Bild von Gott zu schaffen.

 

Gott hasst Götzenbilder

Bilder wurden zur damaligen Zeit nicht gemalt, allenfalls als Höhlenmalereien oder auf Steintafeln. Aber das Erstellen von Skulpturen und Gegenständen, die in Anbetung und Opferungen vergöttert wurden, war in den damaligen Völkern und im Volk Israel weit verbreitet. Nehmen wir zum Beispiel das Goldene Kalb: Es diente dem Volk Israel auf dessen Wanderung in der Wüste als Ersatz für ihren Gott Jahwe, weil sein „Sprachrohr“ Mose für den Geschmack des Volkes viel zu lange (mit den Geboten!) auf sich warten ließ. So bauten die Menschen sich kurzerhand ein aus massivem Gold bestehendes und von daher scheinbar anbetungswürdiges Götzenbild (2. Mose 32,1-9). Es folgten über die Jahrhunderte hinweg ständig weitere Götzenbilder bzw. Götzenstatuen, die man von den umliegenden Völkern übernahm und in Israel, Juda und sogar im Tempel in Jerusalem aufstellte (Jeremia 32,35). Mit deren Verehrung entfernten sich die Generationen immer weiter von Gott, ihrem Herrn (1. Chronik 5,25; Jesaja 66,3). Infolgedessen stellte Gott sich auch nicht mehr zu Israel und Juda und überließ sie der Unterdrückung und der teilweisen Ausrottung durch stärkere Völker ringsum (1. Könige 9,6; Jesaja 47,11).

 

Darstellungen Gottes bieten nur Teilaspekte

Gehen wir nun auf das oben genannte Zitat aus den Zehn Geboten (nach dem Text der BasisBibel) ein wenig mehr ein. Dort steht ausdrücklich, dass der Mensch sich kein Bild von Gott machen darf und kann, da es unmöglich ist, sein umfassendes Wesen abzubilden. Kein Bild von ihm würde ihn hinreichend darstellen können. Es können immer nur Teilaspekte von ihm aufgezeigt werden. Trotzdem wurde Gott, der Schöpfer und Vater, in unzähligen Gemälden über alle Kunstepochen hinweg gemalt, gezeichnet und mit unterschiedlichsten Materialien abgebildet, z. B. in der Darstellung der Erschaffung Adams in der Sixtinischen Kapelle.

 

Abbildungen von Gott und Jesus dienten dem Gottesdienst

Haben sich dadurch diese Künstler am zweiten Gebot versündigt? Grundsätzlich nicht. Den meisten von ihnen war es wichtig, Gottes Handeln und Wesen ernsthaft und im Glauben darzustellen. Keinem fiel es ein, sein Kunstwerk anzubeten oder es als die ultimative Darstellung Gottes zu überhöhen. Und die Priester in den Kirchen nutzten diese bildhaften Darstellungen, um einem ungebildeten Volk biblische Werte und Wahrheiten nahe zu bringen. So finden wir in den katholischen Kirchen auch heute noch eine Fülle von Gottesdarstellungen. Ich gehe als evangelischer Christ davon aus, dass das Niederknien und Bekreuzigen z. B. vor einem Kruzifix auch keine Anbetung des jeweiligen abgebildeten (hölzernen) Jesus beabsichtigt. Es ist eine im besten Fall besondere, aktive Form der Annäherung an seinen Heiland.

 

Das Wort Gottes steht über allen Abbildungen

Während der Reformation versuchten die sogenannten „Bilderstürmer”, das Gebot wörtlich umzusetzen. Sie zerstörten daher sämtliche Gottesdarstellungen in ihren Kirchen. Luther war nicht gegen bildliche Darstellungen, stellte aber das Wort (auch durch seine Bibelübersetzung ins Deutsche) darüber. Er verurteilte die radikalen Bilderstürmer als unbiblisch, lieblos und gesetzlich, ebenso wie eine unbedachte Bilderverehrung durch Kirche und Volk. So übersetzte er 2. Mose 20 auch in dem mosaischen Sinne.

 

Wer Jesus sah, sah Gott

Und Gott selbst hat sich sogar mit voller Absicht sichtbar gemacht. Indem er seinen Sohn in die Welt geschickt hat, war Gott für die Menschen zu seiner Zeit sichtbar und sogar erlebbar. Er selbst sagte zu Philippus: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Johannes 14,9). Eine Begegnung mit Jesus ist eine Begegnung mit Gott. An anderer Stelle gibt er seinen Zuhörern die Auskunft: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10,30). Von Anfang an war Jesus somit an der Schöpfung und an dem Heilsplan seines Vaters als Teil der Dreieinigkeit beteiligt. Mit seinem Kreuzestod hat er diesen Plan der Rettung der Menschheit erfüllt. Die Auferstehung von Jesus markiert schließlich das Ende der Herrschaft des Todes (1. Korinther 15,55). Wir haben nun die Möglichkeit in die Gemeinschaft mit Gott durch Jesus zurückzukehren. Dann können auch wir Gott persönlich durch den Glauben erfahren und erleben. Die Bibel spricht in diesem Zusammenhang auch vom „Sehen“ (Johannes 6,40; Johannes 17,24; 1. Johannes 3,2).

 

Darstellungen von Jesus zeigen Gott

Die Darstellung von Jesus scheint in der evangelischen Welt nicht so problematisch zu sein wie die Gottesdarstellung an sich. Bei unzähligen evangelischen Familien hängt ein Bild von Jesus an der Wand, vorzugsweise als Guter Hirte oder als kinderliebender, freundlicher Mensch, obwohl keiner heute mehr weiß, wie Jesus tatsächlich aussah. Denn es wird im Neuen Testament kein Wort über sein physisches Aussehen verloren. Im Prinzip machen wir uns demzufolge immer ein Bild von Gott, wenn wir uns diese Darstellungen von Jesus anschauen und auch gedanklich übernehmen (ähnlich wie das Bekreuzigen vor einem Kruzifix).

 

Anbetung geschieht im Geist und in der Wahrheit

Wir Menschen sind so angelegt, dass wir das Anschauliche brauchen. Als Kind hat sich wohl jeder, der mit der Bibel vertraut gemacht wurde, eine Vorstellung, ein Bild, von Gott gemacht – sehr oft als älterer Mann mit und ohne Bart. Vielleicht hat man sogar ein Bild von Gott gemalt, weil man ihn so gerne mochte. Darin wurden die positiven Eigenschaften Gottes verarbeitet, von denen man beeindruckt war. Auch in diesem Fall hat man sich als Kind selbstverständlich keine Schuld aufgeladen. Mit dem Erwachsenwerden verändert sich unser Gottesbild von einem bildlich konkreten Gott zu einer „abstrakten Vorstellung”, sodass wir ihn immer mehr „… vom Geist und von der Wahrheit erfüllt …“ anbeten können oder sollen (Johannes 4, 23-24), ohne eine konkrete Vorstellung von Gott zu bemühen. Dies erwartet Gott letztlich von einem mündigen, glaubenden Christen und wir dürfen ihn bitten, uns zu solchen zu machen.

 

 

Dietmar Tober

 

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Geändert am: 9.4.2026
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